Karton – das Wundermaterial

Kartons begegnen einem überall im Alltag. Sie sind in einem Maße um einen herum, dass man in der Regel nicht darüber nachdenkt wie bedeutsam dieses Material in vielerlei Hinsicht für die Menschheit im täglichen Gebrauch geworden ist. Was ist überhaupt Karton? Der Werkstoff wird aus Zellstoff, Holzschliff und Altpapier hergestellt. Die Produktion ähnelt stark dem Prozess der Papierherstellung. Aus kleinteiligem, fließendem Recyclingsstoff werden in einem Sieb- und Trocknungsverfahren lange Bahnen des Grundmaterials produziert. Aus diesem werden später allerlei verschieden geformte Kartonagen und Innen-Verpackungsmaterial in diversen Dimensionen hergestellt. Jeder kennt die typischen Produkte aus sogenannter Wellpappe, sei es im unbehandelten Zustand beziehungsweise mit nicht sichtbarer Lackierung oder in bedruckter Version.

Universelle Nutzung

Der grundsätzliche Nutzen von Kartons dreht sich in eigentlich allen relevanten Fällen um die Thematik „Verpackung“. Allerdings dient der recycelte Werkstoff im Detail in verschiedenen Etappen seiner Wertschöpfungskette zu diversen Zwecken. Einige der gängigsten Funktionen von Kartons sind:

  • Ladefunktion
  • Transportfunktion
  • Lagerfunktion
  • Schutzfunktion
  • Reklame- und Informationsfunktion

Davon abhängig sollte man vor Beginn einer Unternehmung im Bereich Handel oder Vergleichbarem eine genaue Analyse durchführen wofür zu beziehende Kartons im individuellen Fall dienen können müssen.

Kartons als Verpackungsmaterial

Das Material vereint mehrere Faktoren, die es (in Kombination mit anderen Werkstoffen) zur beliebten Wahl für das Verpacken von Waren oder von aufzuhebenden Gegenständen im Privatgebrauch machen. Kartons sind günstig zu produzieren und wiegen nicht viel. Im „Rohzustand“ sind sie lediglich für Trockenware geeignet. Darunter fallen beispielsweise bestimmte Lebensmittel wie Reis oder Müsli. Um nicht-trockene beziehungsweise fetthaltige Waren zu transportieren sind Verbundkartons notwendig, die mit einer zusätzlichen Innenbeschichtung versehen sind. Diese besteht aus anderen Materialien wie etwa Aluminium oder Polyethylen. Von selbst besitzen Kartons folglich keine Barriere gegenüber Feuchtigkeit oder Sauerstoff.

Karton als Logistikwerkzeug

Untrennbar vom Punkt des Verpackens ist das Produkt „Karton“ als Transportmittel zu betrachten. Die einzige Ausnahme stellt die reine Lagerabsicht von Produkten oder allgemeinen Gegenständen dar, sei es privater oder gewerblicher Natur. In der Regel aber verpackt man Dinge in Kartons, um sie effizienter und sicherer transportieren zu können. Das reicht vom einfachen, privaten Umzug, bei dem Kleidung direkt in einen Umzugskarton gelegt wird hin bis zu komplexen, gewerblichen Logistikprozessen für etwa stark bruchgefährdete Ware, die Spezialverpackung bedarf. In den Bereichen Industrie und Handel spielt der Werkstoff Karton die Hauptrolle in der Kategorie Umverpackung. Im Inneren dieser äußersten Schicht findet man oft dann Inletts und Verpackungsmaterial aus anderen Stoffen wie Styropor oder Holzwolle, wenn speziell geformte Einlagen aus Karton den entsprechenden Zweck nicht erfüllen könnten. Laufend aber entwickeln Verpackungsdesigner hier neue Lösungen, um dem Markt nachhaltigere Alternativen zu Materialien mit negativer Ökobilanz anzubieten. Ein neues Feld, das in der jüngsten Vergangenheit in den Fokus gerückt ist, sind sogenannte „intelligente Verpackungen“. Diese bestehen in vielen Fällen weiterhin aus Karton, integrieren allerdings chemisch fortschrittliche Eigenschaften wie antimikrobielle Oberflächenbeschichtung oder Sauerstoffabsorption. Auch informationstechnische Elemente wie Mikrochips spielen hier zunehmend eine Rolle.

Verpackungsdesign

Der Überbegriff steht für verschiedene Aspekte des Objekts Karton. Einer davon ist die Rolle der Verpackung als Kommunikationsmittel. Den visuellen Anteil dabei übernimmt die Disziplin des Grafikdesigns. Visuelle Kommunikation dient dazu, produkt- und zielgruppengerecht sowie in den meisten Fällen zusätzlich auch merklich werblich zu gestalten. Des Weiteren spielt der Punkt Haptik eine entscheidende Rolle. Der Tastsinn wird im Kontext Verpackung oftmals unterschätzt. Experten auf diesem Gebiet, sogenannte Packaging-Designer, sind also nicht lediglich Grafiker, sondern kennen sich auch aus mit Prozessen der Veredelung. Diese ist notwendig, um etwa Produkte im Hochpreissegment bedarfsgerecht mit einer angemessenen Verpackung in Einklang zu bringen. Unter die häufigsten Oberflächen-Veredelungstechniken fallen etwa Prägen, Stanzen und Lackieren. Druck ist nicht gleich Druck. So ist auch nach der grafischen Gestaltung grundlegendes Wissen zu Drucktechnik nötig, um ein professionell wirkendes Produkt auf den Markt zu bringen. Je nach genauer Zusammensetzung und gewünschter, späterer Wirkung des Materials kann Karton mit Techniken wie Flexodruck, Offset-Druck oder Digitaldruck behandelt werden.

Ökobilanz

Prinzipiell besitzt das Material Karton eine gute Bilanz was die Thematik Nachhaltigkeit betrifft. Allerdings muss man den Aspekt des ökologischen Resultats im Detail differenziert betrachten, um auch die nicht sehr offensichtlichen, aber durchaus existenten Kritikpunkte zu beleuchten. Ein medial immer wieder thematisierter Punkt hinsichtlich der Wert-Wiederschöpfung sind „unerwünschte Stoffe“ in Kartons. Substanzen wie Mineralölbestandteile aus Druckerfarben oder Bisphenol, das in thermobeschichteten Papiersorten vorkommt, können im Zuge des Recycling-Prozesses die Grundmasse zur Kartonproduktion gewissermaßen verunreinigen. Dies stellt vor allen Dingen ein Problem dar, wenn Verpackungsmaterial ohne Innenbeschichtung im direkten Kontakt mit Lebensmitteln steht. Das passiert etwa beim Beispiel der Nudelverpackung. Mehr und mehr Hersteller reagieren auf entsprechende Anstöße von Verbraucherschützen und führen bei ihren Produkten im Bereich Lebensmittel Barrieren durch eine zusätzliche Innenverpackung aus Kunststoff ein. Dies greift dem Problem der Stoff-Migration vor, senkt aber gleichzeitig die Nachhaltigkeitsbilanz der Verpackungseinheit als Ganzes. Auch der Aspekt der intensiv genutzten Bedruckung von Umverpackungen jedweder Art wird mittlerweile kritisch beleuchtet. Auf politischer Ebene hat in Deutschland etwa das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Verordnungsentwurf auf den Weg gebracht, der die Auswahl von Druckmitteln hinsichtlich Kartons für die Kategorie „Lebensmittelbedarfsgegenstände“ gezielt einschränken soll.

Wo geht die Reise hin?

Das Produkt Karton hat im Kontext Verpackung und Transport Stand heute keine realistische Konkurrenz zu befürchten. Es ist anzunehmen, dass sich gesetzliche Vorgaben bezüglich Recyclingthemen wie Materialmix und Druck ändern werden, doch mit großer Wahrscheinlichkeit stellt es kein Problem für die Verpackungsindustrie in Deutschland dar, rechtzeitig und auf ökonomisch sinnvolle Weise darauf reagieren zu können. Initiativen zur besseren Vorsorge im Bereich Gesundheit sind prinzipiell begrüßenswert. Des Weiteren birgt die Thematik weiteres Potential für Designer und Industriechemiker. Die Möglichkeit für Innovation auf dem Gebiet Kartonverpackung besteht also weiterhin fort.