Buch von Holger Schmitt: Das Framing der Linken

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Eine Rezension von Dr. Klaus Miehling

Der englische Begriff des „Framing“ (von „frame“ = „Rahmen“) wurde vor einigen Jahren bekannt, als die ARD ein „Framing Manual“ für den eigenen Gebrauch erstellen ließ, um den Gebührenzahlern die Wichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Zwangsfinanzierung (die „geframet“ – so die Schreibweise von Schmitt – bekanntlich „Demokratieabgabe“ genannt wurde) zu vermitteln.

Was dieses Buch von anderen unterscheidet, die sich mit politischer Manipulation von Sprache befassen, ist seine wissenschaftliche Grundlage. Schmitt beließ es nicht dabei, sich auf Fallbeispiele zu beschränken, über deren Repräsentativität sich streiten ließe. Vielmehr hat er anhand elektronischer Textarchive (Korpora) die Häufigkeit von Wörtern sowie ihrer Kollokate, d.h. in unmittelbarer Umgebung auftretende andere Begriffe, in Texten (hauptsächlich Pressetexte, aber auch Wikipedia, Parlamentsprotokolle u.a.) untersucht. Sein „Standardkorpus“ umfasst etwa acht Millionen Texte mit rund 2,5 Milliarden Wörtern aus den Jahren 2014 bis 2019. Daneben hat er zwei Subkorpora kleineren Umfangs, aber einen größeren Zeitrahmen (2000 – 2019) umfassend, gebildet: ein „linkes“ (Focus, taz und Falter) und ein „bürgerliches“ (Focus, Rhein-Zeitung, Niederösterreichische Nachrichten), die gelegentlich zum Vergleich herangezogen werden.

Die Beschränkung auf linkes Framing begründet Schmitt mit der „Dominanz linker Ideen“ (S. 14) in den Medien, die ja offenkundig ist und hier auch objektiv mit Zahlen bestätigt wird. Rechtes Framing beschränkt sich auf einige alternative Medien mit geringer Reichweite, spielt in den öffentlich-rechtlichen und anderen „Mainstream“-Medien keine Rolle und hat daher für die Masse der Konsumenten praktisch keine Bedeutung.

Den Hauptteil der Veröffentlichung bildet das „Wörterbuch“, in welchem von Linken verwendete oder im linken Sinn (um)gedeutete, eben „geframete“ Begriffe von Aktivist bis Wende statistisch ausgewertet und mit konkreten Beispielen illustriert werden.

So erfahren wir, dass über Rechtsextremismus achtmal so häufig geschrieben wird wie über Linksextremismus (S. 152); dass sich der Gebrauch von Diversity und Diversität innerhalb von 20 Jahren fast verzwanzigfacht hat (S. 56); dass EU so gut wie nie in Verbindung mit Kosten gebracht wird (S. 62f); dass die AfD „fast dreimal so häufig mit einer feindlichen Gesinnung in Verbindung gebracht [wird] wie alle anderen Parteien zusammen“ (S. 68); dass Fremdenfeindlichkeit/Ausländerfeindlichkeit 165 mal so oft erwähnt wird wie Deutsch(en)feindlichkeit (ebd.), dass dementsprechend Vorurteile gegen Fremde und Ausländer (aber auch Frauen, Schwule, Juden, Muslime) häufig thematisiert werden, solche gegen Deutsche, Männer oder Christen so gut wie nie (S. 184). Der Begriff Vorurteil wird aber auch als solcher umgedeutet, wie etwa von der Bundeszentrale für politische Bildung: „Vorurteile sind stabile negative Einstellungen gegenüber Gruppen bzw. Personen, die dieser Gruppe angehören. Ob diese negativen Einstellungen auf Tatsachen beruhen oder nicht, spielt keine Rolle mehr“ (S. 189f).

Missbräuchlich verwendet wird beispielsweise auch arm, das nicht mehr Hunger oder Obdachlosigkeit bedeutet, sondern auf alle Personen angewendet wird, die weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens verdienen oder in entsprechenden Haushalten leben.

Von Gerechtigkeit sprechen Linke, wenn sie Gleichheit oder Angleichung meinen, „mit der Folge, dass die Menschen eben nicht mehr gleich vor dem Gesetz sind“ (S. 79f).

Der Begriff umstritten wird fast ausschließlich für konservative und patriotische Personen und Projekte verwendet (S. 179), und deren Inhalte sind es auch, die – sicherlich gewollt – der Zensur nach dem NetzDG zum Opfer fallen.

Den Abschluss bildet eine Analyse linker sprachlicher Strategien, von denen Schmitt vier unterscheidet (ab S. 197): Die „Keule“, die den Gegner mit Begriffen diskreditiert („Nazi-Keule“ ist ja schon zum geflügelten Wort geworden), der „Heiligenschein“, den man dem eigenen Anliegen moralisierend verpasst, die „Nebelkerze“, d.h. die „Verschleierung dessen, was nicht ins eigene Weltbild passt“, und schließlich „Haltet den Dieb!“, die „Projektion der eigenen Schattenseiten auf den Gegner“. Typisches Beispiel hierfür ist die Diffamierung einer Partei, welche direkte Demokratie fordert, als „antidemokratisch“ durch Parteien, welche direkte Demokratie ablehnen.

So wird denn auch offensichtlich, dass Linke mit zweierlei Maß messen, für sich „moralische Autorität in Anspruch nehmen“ (S. 199), sich Andersdenkenden gegenüber aber ausgesprochen unmoralisch verhalten und fehlende Argumente durch Diffamierung, Diskreditierung und Zensur ersetzen:

„Linke […] kämpfen gegen Vorurteile – aber eher nicht in den eigenen Reihen. Sie reden von Buntheit und Diversität und Toleranz – und gestehen ihren politischen Gegnern noch nicht einmal zu, offen ihre Meinung zu sagen. […] Sie sehen sich selbst als demokratisch – und grenzen die aus, die ebenso wie sie vom Volk gewählt wurden.“ (S. 212f)

Ein als Exkurs gestalteter Abschnitt innerhalb des „Wörterbuches“ beschäftigt sich mit der Gendersprache, wozu es ja inzwischen ganze Bücher gibt.

Den Begriff Hetze spart sich der Autor für den Schluss auf: „Unter den ersten 150 Kollokaten kommt somit nicht eine einzige Ableitung von links vor! Klarer kann man die Linkslastigkeit der Medien kaum verdeutlichen. Tatsächlich findet sich links erst als ultralinken auf Platz 327. Angesichts der massiven Hetze gegen alles Nicht-Linke, realisiert durch einseitige Themen- und Zeugenauswahl, die Assoziation des politischen Gegners mit allem, was in der Gesellschaft verachtet wird, den Einsatz von lexikalischen Keulen und durch die schiere Dominanz linken Gedankenguts im öffentlichen Diskurs erscheint dies wie blanker Hohn“ (S. 221).

Wünschenswert wäre eine genauere Aufschlüsselung des „Standardkorpus“ gewesen. Es wäre sehr interessant zu wissen, ob auch im Netz zugängliche schriftliche Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie Meldungen der „Tagesschau“ inbegriffen waren.

Schmitt regt an, „sich selbst einmal Gedanken über den Gebrauch und Missbrauch von bestimmten Wörtern zu machen“ (S. 205) und nennt als Beispiele Demokratieabgabe, Zivilcourage und unterrepräsentiert. Nur schade, dass er diese Begriffe nicht selbst untersucht hat. Vergebens sucht man auch Verschwörungstheoretiker und Verschwörungstheorie. Als weitere Begriffe, die ähnlich wie Armut und Gerechtigkeit eine Umdeutung erfahren haben, sind beispielsweise Kunst oder pünktlich (in der Definition der Bahn) zu nennen. In den letzten zwei Jahren wurden zudem Begriffe wie Pandemie und Impfung pervertiert. Genügend Stoff für eine zweite, erweiterte Auflage!

Link zur zweiten Auflage vom 27. Oktober 2022:
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Linkes Framing – Empirisch Belegt!
11. Oktober 2021 | Clownswelt
Bezugnehmend auf

»Das Framing der Linken« – nun statistisch belegt


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